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Die gegenwärtige Lage der Cretinen, Blödsinnigen und Idioten in den christlichen Ländern : ein Noth- und Hülferuf für die Verlassensten unter den Elenden an die deutsche Nation
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kann die ungewöhnliche Lieblosigkeit nicht über-wunden werden! —

Wenn das Herz eines einzelnen Menschen erst für seinenBruder eingeschlafen ist; so weiß man, eine wie starke Stimmenoth thut, um ihn zu neuer Liebe wach zu rufen. Und wennnun, ich sage nicht eine ganze Nation, wenn die gesammteChristenheit Jahrhunderte lang für einen Theil ihrer Kinderim Todcsschlaf gelegen hat, wie gewaltig, wie andauernd wirddann die Weckstimme erschallen müssen: „Hier muß geholfenwerden!"

2) Es kann geholfen werden.

Wenn auch der Anstalten für Blöde und Cretinen nurwenige, und ihre Erfahrungen noch jung sind; so ist doch durch siebereits dieThatsackefestgestellt: hier kann geholfen werden!Es kann, wenn die Hülfe zu rechter Zeit erscheint, das Selbst-und Gottesbewußtsein dieser scheinbar Bewußtlosen geweckt underweitert werden; sie lassen sich in nicht seltenen Fallen so-gar zu brauchbaren Gliedern der menschlichen Gesellschaft, und;u lebendigen Bürgern des Gottesreiches erziehen.*) Nur werabsichtlich in träger Lieblosigkeit beharren will, kann sich nachden Resultaten, die ich von jeder einzelnen Anstalt mitgetheilt habe,noch hinter die ebenso beliebte, als bequeme Phrase verschanzen: dieblöden Kinder für Gott und Welt bilden wollen, sei nichts an-deres, als ein Schöpfen ins Danaidenfaß. Ich werde nichtversuchen, den Panzer so stark verschanzter Leute zu durchboh-ren; wende mich vielmehr zu den weniger verschanzten, undbitte sie vor allem, keine sanguinische, unbegründete Hoffnungüber die Bildung der Blöden zu fassen, als ob in einer guten

Soeben theilt mir Or. Guggenbühl hiervon noch ein sehr erfreulichesBeispiel mil. Er bekam vor lO Jahren einen so blödsinnigen Knabenin seine Anstall, daß ein würtcmb. Lehrer nach einjähriger, frucht-loser Abmühung mit demselben behauptete, er sei bildungsunfähig.Nack einigen Jahren hatte er fertig lesen und schreiben gelernt, sankaber wieder total in seinen früher» Zustand zurück. Die Hoffnungwurde nicht aufgegcben. Jetzt ist er G.'s Sekretär, und schreibtdeutsche, wie französische Briefe durchaus fertig.