149
Gehör auf dem Clavier. Alles dies hat er seit Mai 1850sich angeeignet.
Man vermißt in diesem Berichte auf's Schmerzlichste jedeSpur einer Erwähnung der sittlichen und religiösen Entwick-lung der Kinder. Das Mitleid.Erregende im Loose der Blöd-sinnigen ist nicht das, daß sie nicht addiren und Domino spielenkönnen; sondern daß ihr Bewußtsein, göttlichen Geschlechts zusein, umschleiert ist. Dieses Bewußtsein zu wecken, muß darumZweck der Heilung, wie der Bildung der Blödsinnigen sein.Ein Kind, das bereits vielstellige Zahlen addiren kann, mußNahrung für seinen unsterblichen Geist haben, sonst verschmach-tet er. —
Nach einer Zeitungsannonce nimmt auch Oe. Brosius,ebenfalls in Bendorf, in eine Abtheilung seiner neu errichtetenAnstalt für Geisteskranke, an Nervenübel, Rachitis, Scrophu-losiö u. s. w. leidende Blödsinnige ans, und verspricht ihnenliebevolle Behandlung. Es ist mir nicht bekannt geworden, obihm derartige Kinder bereits anvertraut sind.
3) Was sonst noch für die Bildung Blödsinniger in Preußen geschehen ist?
Ist außer dem, was jene beiden Anstalten leisten, im großen,reichen, blühenden Preußen weiter gar nichts für die Bildungder jugendlichen Blöden geschehen? Ich bin im Stande, nochEiniges zu erzählen; aber dieses wird nur dazu dienen können,unsere Schuld und Schande noch größer zu machen.
a. Ich habe schon erwähnt, daß in den hohenzollern'schenFürstenthümern der Kretinismus endemisch sei. Deßhalb hat sich dieObrigkeit entschlossen, etwas für diese armen Unterthanen zuthun. Wir lesen nämlich im 2. Jahresberichte der obengenann-ten Riether Anstalt: „Auch die königl. preußische Regierung derFürstenthümer Hohenzollern will schwachsinnige Kinder ihresdortigen Bezirkes der hiesigen Anstalt aus Ueberzeugung an-vertrauen." Und wie viele dieser Elenden haben dort Rettunggefunden? Die Berichte von Rieth und Winterbach liegen vormir. Es sind dort aus vielen Ländern Zöglinge ausgenommen,