Druckschrift 
Die gegenwärtige Lage der Cretinen, Blödsinnigen und Idioten in den christlichen Ländern : ein Noth- und Hülferuf für die Verlassensten unter den Elenden an die deutsche Nation
Entstehung
Seite
105
Einzelbild herunterladen
 

105

könne ihr für die Zukunft nicht fehlen, wenn dieselbe in demGeiste, in welchem sie begonnen, auch fortgesetzt werde."

2) Die Anstalt für Blöd- und Scüwachfiimiqe in Neuendettelsau.

Auch das protestantische Bayern hat sich auf-gemacht, und zwar sind es auch hier nicht die Hohen imVolk, sondern die Niedrigen gewesen, die ihre Hand den Blöd-sinnigen geboten haben. Der Pfarrer Will). Löhe nämlicherrichtete im Mai 1854 in Neuendettelsau bei Nürnbergein Diakonissenhauö und zugleich eine Anstalt für Blödeund Schwachsinnige, an denen jene Gegend leider nichtarm ist. Diese bildete bisher einen mit jenem eng verwachsenenArbeitözweig, befand sich auch Anfangs im Hauptgebäude, bissie am 14. Dezember 1855 in ein eigends für sie erbautesLokal verlegt wurde. Man kann sagen, daß sie von den Unter-nehmern der ersten Anstalt geboren und gesäugt, genährt undgepflegt worden sei. Da aber die Mittel der Diakonissenanstaltfür ihre eigenen Zwecke nicht auöreichten; so ging die Blöden-anstalt am 1. Aug. 1856 an die vierte Abtheilung der Gesell-schaft für innere Mission in Bayern über. Jedoch behielt sichdie Diakonissenanstalt das Eigenthumörecht der Blödenanstaltvor bis auf weiteres, und letztere blieb auch in ihrem, derDiakonissenanstalt gehörigen Locale. Zwar legte das Diakonissen-hanö bisher noch den größten Theil der Unkosten der Blöden-anstalt monatlich vorschußweise aus, weil die genannte Gesell-schaft noch keine Einnahmen für den neuen Zweck hatte. DieVorsteher der Anstalt aber hören nicht auf zu hoffen, daß dasbereits mit schönem Erfolge gekrönte Werk, das auch schon soviel Vertrauen genießt, je länger, je mehr treue, helfende Händefinden werde, um von denselben über die ersten sorgevollenZustände hinübcrgehoben und zu sorglosem Gedeihen gebrachtzu werden.

Da die Blödenanstalt ein Werk der Barmherzigkeit seinsollte; wurden meist ganz arme Kinder ausgenommen, Anfangs 5.Es wurden ihr zwar bald auch Kinder aus höheren Ständen anver-traut; doch sind deren noch nicht so viele, daß die große An-zahl ärmerer Kinder durch sie mit unterhalten würde. Dabeistoßen die Unterstützungen bei den vielen Bedürfnissen der andern