Druckschrift 
Die gegenwärtige Lage der Cretinen, Blödsinnigen und Idioten in den christlichen Ländern : ein Noth- und Hülferuf für die Verlassensten unter den Elenden an die deutsche Nation
Entstehung
Seite
69
Einzelbild herunterladen
 

69

Um für die Heilung und Erziehung der jugendlichen Idiotendurchgreifende und vollständige Maßregeln zu treffen, stand1)r. Hübertz 1853 im Begriff, eine Heil- und Erziehungs-anstalt für Blödsinnige zu gründen. Leider hat durch den Toddieses eifrigen Arztes diese Angelegenheit einen bedeutendenStoß erlitten. Doch besteht in der Nähe von Kopenhageneine kleine Anstalt mit 12 Kindern, über welche ich indcß nir-gends etwas Näheres habe in Erfahrung bringen können.

In Kopenhagen selbst wirkt Prof. Oo. Eschricht durchRede und Schrift für die Blöden. Die Negierung scheintsich der Sache mit Eifer annehmen zu wollen. In ihrem Auf-träge besucht gegenwärtig I. Moldenhauer alle Blöden-Anstaltcn Europas, um über dieselben officiellen Bericht zuerstalten.

6. Norwegen. Nachdem man lange in dem Wahne ge-standen hatte, Norwegen habe keine Blödsinnige und Cretinen;so ist cs durch die Bemühungen des Professors Dr. Fre-derik Holst doch jetzt so weit gekommen, daß Staat, Kircheund Private die im traurigen Steigen begriffene Noth kennenkönnen.

Im I. 1825 waren nach amtlicher Zählung in den Städten5-1 Dementes (erst später geistesschwach Gewordene) und 43Idioten' (blödsinnig Geborene), in den Landdistrikten 287Dementes und 637 Idioten, im Ganzen also 341 DementeSund 680 Idioten.

Zehn Jahre später waren nach Holst in den Städten 61Dementes, 83 Idioten, in den Landdistrikteu 457 Demen-tes, 1615 Idioten, zusammen 518 Dementes, 1698 Idiotenbei einer Einwohnerzahl von 1,065,825. Non 1825—35 hattesich, wenn man die Vermehrung der Einwohner mit in Rech-nung bringt, die Dcmentic um 52 Procent, die Idiotie aberum 150 Procent vermehrt.

Wieder zehn Jahre später (1845) waren in den Städten135 Dementes und 76 Idioten, in den Landdistrikten 1089Dementes, und 1987 Idioten, zusammen 1224 Dementes, und2063 Idioten, also beinahe 400 mehr, als 1835. Mit Berech-nung der wachsenden Einwohnerzahl hatte sich die Demcntie