32
Iweites Kapitel.
Die Bewegungen der russischen und preußischenTruppen bis zum Zusammentreffen mit demFeinde.
Die Armee des Generals Bennigsen stand, wie erwähnt, ander preußischen Grenze in Bereitschaft, dieselbe zn überschreiten,obgleich sie noch keinesweges mit allem Nothwendigen versehenwar. Es mangelte der Artillerie an hinlänglicher Munition, derKriegskasse an Geld, der Armee vollständig an Magazinen undLazareth-Anstalten.
Als am 9. Oktober die Kriegs-Erklärung Preußens gegenFrankreich in Petersburg bekannt wurde, erhielt- die Armee denBefehl zum Aufbruch. In dieser Zeit war auch der preußischeMilitär-Kommissarius General Chlebowski mit mehreren Offi-zieren ') und dem Geheimen Rath Stein im russischen Haupt-
1) Die Wahl des Generals Chlebowski für diese wichtige Stellung warkeine glückliche. Ohne Energie, voller unklarer Ideen, von denen eine dieandere jagte, unordentlich in seinen Dienst- wie Privatgeschäften, überall ge-folgt von Frau und Tochter, konnte es ihm nicht gelingen, den Russen gegen-über, eine achtunggebietende Stellung einzunehmen, oder Vertrauen undeinigen Einfluß auf die leitenden Generale zu gewinnen. Die Stellung derpreußischen Offiziere war an und für sich äußerst schwierig, da durch die vonTag zn Tag in Grodno und auf dem Vormarsch eingehenden schmählichenNachrichten die schon vorhandene Anmaßung der russischen Offiziere im hohenGrade gesteigert wurde.
Die den General Chlebowski begleitenden Offiziere wurden größtentbeilsden einzelnen Divisionen zugetheilt.