Druckschrift 
1 : 1, Der Feldzug von 1806. - 1850 (1855)
Entstehung
Seite
483
Einzelbild herunterladen
 

483

gange» worden sind, nicht minder ins Gewicht. ES möchtenvorzugsweise die folgenden zu bezeichnen sein:

1) daß die hohem Offiziere, besonders der Division War-tensleben, nicht beim Defiliren durch Auerstädt mit rücksichtsloser

' Strenge ans die Ordnung im Marsch hielten; daß sie die In-fanterie nicht zwangen in geschlossenen Sectionen durch die Furthlinks zu gehen, oder daß nicht Anstalten getroffen wurden, dasDefilee von Auerstädt zu vermeiden und durch Rechts- oder Links-Auswcichen die Hohen jenseits des Emsbaches zu gewinnen. DieArmee war ausgerüstet, um dergleichen geringe Abschnitte mitLeichtigkeit zu überbrücken; man hätte also in mehreren Kolonnenden Emsbach überschreiten können. Durch den verzögerten Auf-marsch kamen die Truppen - Abtheilungen vereinzelt ins Gefechtnnd traten niemals mit einer hinlänglichen Masse aus, um denFeind durch einen kräftigen Stoß aus Hassenhausen zu werfen.

2) daß ein Theil der Kavallerie gleich im Anfänge derSchlacht, ja sogar noch im Nebel gegen die feindliche, völlig un-erschütterte Infanterie geführt wurde, statt sie nach der Schlacht-ordnung hinter der Infanterie zu belassen, wo sie bereit stand, diefeindlichen Tirailleurs zusammeuzuhauen, so oft sie es wagtengegen die preußische Jnfanterie-Liuic vorzudringen- Es war inder Ordnung, daß man einen Theil der Kavallerie an die Spitzebrachte, um die nach der eingegangenen Meldung über den Köse-ner Paß vorgegangenen Chasseurs-Regimenter anzugreifen; in-dessen als die vorgezogeue Kavallerie im Nebel auf feindlicheJnsanteriemassen stieß, war es nicht weise, dem General Blücherzu gestatten, diese Infanterie anzugreifen. Man hatte aber nochdas alte Verhältniß der preußischen Kavallerie zur Infanterie dessiebenjährigen Krieges und der französischen Revolutionsarmee vorAugen, und glaubte, daß ein Kavallerie-General wie Blücher mitpreußischer Kavallerie Alles überwältigen könne, und der Generalglaubte es selbst. Indessen die Zeiten hatten sich geändert. DieWirksamkeit der Kavallerie war im Großen auf das Ende derSchlacht verwiesen. Sie war durch die veränderte Jnfantene-taktik ziemlich unfähig geworden, eine unerschütterte, geschlosseneund besonnene Infanterie durch' die eigene Kraftanstrengung zu

31*