308
fange Gebrauch machen würde. Als in 14 Tagen keine Antworterfolgte, die Hoffnungen, Oestreichs Beitritt binnen Kurzem ge-sichert zu sehen, immer gegründeter wurden, der Graf seine An-wesenheit in Schlesien zur Erhaltung der Festungen immer noth-wendiger werden sah, bat er am 16. März um seine Pässe underhielt dieselben am 18. zur Reise nach Schlesien.
Um auf alle Fälle gefaßt zu sein, traf der Graf noch einAbkommen mit einem der größten und gewandtesten Lieferantenin Ocstreich, der sich erbot, Alles, was verlangt würde, selbst ver-botene Artikel, auch ohne Erlaubniß der Regierung, auch ohnegleich baare Bezahlung, nach Schlesien zu schaffen. Vermöge die-ses Abkommens sollte er einige seiner Associäs mit Vollmacht nachSchlesien schicken, um dort sogleich wegen Alles dessen, was manzur Truppensormation bedürfen würde, über Preis, Ort und Zeitder Ablieferung, Kontrakte zu schließen. Bevor der Graf nochabreiste, erhielt er die Nachricht, daß Kosel zwar auf dem rechtenOder-User vom Feinde freigelassen sei, allein daß es daselbst anGeld, Pulver, Medizin und Chirurgen fehle, was Alles bei deneingetretenen ansteckenden Krankheiten schleunigst herbeigeschafft wer-den müsse. Der Graf schickte daher von Wien einen Kourier mitGeld nach Kosel ab, um zugleich nähere Nachrichten über die dor-tigen Verhältnisse einzuziehen, so wie auch ein Associo des Liefe-ranten dorthin mit einer offenen Ordre an den Kommandantenabging, vermöge welcher derselbe aufgefordert wurde, wegen allerArtikel, welche er in Schlesien nicht schnell und sicher erhaltenkönne, sich an den Lieferanten zu wenden. —
Ten 18. Abends reiste der Graf von Wien ab, begegnetein Brünn einem von Neiße zurückkehrendcn französischen Kourier,der 2 Tage vor dem Grafen von Wien dorthin abgegangen warund wahrscheinlich die Nachricht von dem Abgänge desselben nachSchlesien überbracht hatte. Bei den schlechten Wegen traf derGraf erst am 21. Abends in Grulich ein, fand daselbst das öst-reichische Grenz-Kommando aufmarschirt, welches ihm mittheilte,daß der Feind bereits seit 2 Tagen mit einer starken Abkheilungin die Grafschaft eingcrückt, ein preußisches Dctaschemcnt gänzlichzerstreut, Habelschwcrdt besetzt habe und im Marsch auf Mitten-