291
Non den 229 Geschützen der Festung waren 5 völlig zer-stört, an 27 Geschützen die Laffetirung unbrauchbar geworden.Die brauchbaren Geschütze waren nach Aufhebung der Belage-rung wiederum so vertheilt worden, daß jeder Punkt des umlie-genden Terrains vollständig bestrichen werden konnte, doch beson-ders die Gegend am Ein- und Ausfluß der Oder berücksichtigtworden, weil der Feind füglich nur auf dem Fluß bei seichtemWasser einen überraschenden Angriff versuchen konnte.
An Pulver war «och ein Vorrath von 2700 Centnern; nurfehlte es an 25- und lOpfündigen Granaten, 50pfündigen Bom-ben und an Kartätschspiegeln.
In Bezug auf Proviant war an Mehl noch ein Vorrat!)auf 1^ Monat, an Viktualien bis Ende Mai's, an Bier, Brannt-wein und Taback bis Mitte Juni's, an Hafer auf beinahe 1 Jahr,an Rauhfutter auf 1Z Monate vorhanden.
An Holz und Medikamenten war noch kein Mangel, wohlaber fehlte cs an Chirurgen und Krankenwärtern, so daß einChirnrgus auf 100 und ein Krankenwärter auf 50 Kranke kamen.Im Nebligen waren die Lazareth-Anstalten, unter Leitung desGouveriiements-Chirurgus Thomasin, musterhaft.
Der Zustand der Kassen gestattete, bei nicht außergewöhn-lichen Ausgaben, die Gehalts-Zahlung bis Ende Juni's.
Eine der zerschossenen Kasernen war wiederum zur Wohnungeingerichtet, die Kavalleristen in den meist wicderhergestellten Bür-gerhäusern untergebracht worden.
Die Desertion in der Garnison hatte bei den strengen Maß-regeln sehr nachgelassen; es waren im Monat April nur noch16 Mann entlaufen. Auch bei den Bürgern herrschte das Ner-venfieber Es waren von der 898 Seelen zählenden Bürgerschaftbereits 67 gestorben. —
Fassen wir das Verhältnis« der Festung zum Feinde in die-ser Zeit noch einmal übersichtlich zusammen.
Der Feind hatte sich bei seiner Schwäche augenscheinlich er-klärt, daß er die Festung durch Hunger zur Uebergabe zwingenwolle. So vortheilhaft die Gegend um Kosel war, um eine Be-lagerung zu erschweren, so viele Hülfsmittel bot sie doch auch
19*