Druckschrift 
4 : 2, Der Felzug von 1807. - 1851 (1855)
Entstehung
Seite
11
Einzelbild herunterladen
 

11

bereits unterm 27. fand er sich bewogen, diesen Befehl wiederaufzuheben, als er die Nachricht von dem Einrücken der Franzo-sen in Berlin erhielt.

Am 28. Oktober ging von Breslau ein Detaschement mitden daselbst ans den verschiedenen Festungen gesammelten Ge-wehren nach Granden; ab, und scheint noch glücklich Preußenerreicht zu haben. Nur 3000 Gewehre, welche später in Breslaucintrafen, waren zurückgeblieben. Durch diese Sendung verlor dieProvinz ein bedeutendes Hülfsmittel zur Bewaffnung der ranzio-nirten Mannschaften, und wäre es wohl Sache des Generals Lin-dener gewesen, Gegenvorstellungen zu erheben, um dem Zweck deSihm gewordenen königlichen Auftrages vollständig genügen zu kön-nen. In den folgenden Tagen gingen die Geschütze der Feld-Artillerie, die in Breslau eingetroffenen, vorerwähnten Park-Ko-lonnen re- und die Remonten der verschiedenen Depots ebenfallsab, um durch Südpreußen Graudenz zu erreichen.

Unterm 31. Oktober befahl der König auö Schneidemühl:die in Schlesien ausgehobenen Rekruten mit den in den Festun-gen vorhandenen Gewehren zu bewaffnen, widerrief aber zugleichdie Absendung der Feldgeschütze, um sie zur kräftigeren Verthei-digung der Festungen zu benutzen. Die noch vorhandenen 3000Gewehre wurden nun an die Versammlungsorte Wartenberg undBrieg gesandt, und den Batterien Staffelten nachgeschickt, um sicnach Glogau und Breslau zurückzuholen. Die Park-Kolonnenund Remonten setzten ihren Marsch fort, wurden indessen nochdiesseits Kalisch von den Landräthen in Kenntniß gesetzt, daß da-selbst die Insurrektion in vollem Gange, mithin an ein Weiter-kommen nicht zu denke» sei. Die Ersteren kehrten theilö nachBreslau, theils nach Oberschlesien zurück; die Remonten zogensich ebenfalls nach Oberschlesien, und wurden später in der Näheder östreichischen Grenze untergebracht, nachdem man noch einenvergeblichen Versuch gemacht hatte, die insurgirten Landstriche überPetrikau und Warschau zu umgehen, und durch diese Hin- undHermärsche Material und Pferde zum großen Theil unbrauchbargemacht worden waren.

Trotz jener Nachrichten aus Südpreußen ließ man die Rekru-