Druckschrift 
2 : 1, Der Feldzug von 1806. - 1850 (1855)
Entstehung
Seite
338
Einzelbild herunterladen
 

die Feindseligkeiten einstellen möge. Der Kommandant ging hier-auf unter der Bedingung ein, daß die feindlichen Truppen außerSchußweite blieben und die Posten den Festungswerken nicht zunahe kämen. Es war dies eigentlich ein Waffenstillstand mit24 ständiger Aufkündigung.

Am 21. Oktober bemerkte man, daß 40 Schanzarbeiter nachdem Buchwald gingen, und am folgenden Tage erfuhr mau, daßVorspann ausgeschrieben worden sei, um Geschütz von Kronachherbeizuführen.

Am 11. November wurde die Veste abermals durch einenAdjutanten Napoleons aufgefordert und dem Major Rüville dasDekret gegen ihn als einen geborenen Franzosen bekannt gemacht.Gleich darauf erschien ein bayerscher Stabs-Offizier mit einemSchreiben des Grasen Isenburg, das zur Uebergabe aufforderte,da man die Veste nur als ein Depot betrachten könne.

Am 20. brachte ein französischer Offizier die Nachricht vonder Uebergabe von Magdeburg.

Am 23. machte der Regimentskommandeur, Oberst Drouin,in einem Schreiben dem Kommandanten eine Schilderung vonder unglücklichen Lage des preußischen Staats, und sprach denWunsch aus, daß der Kommandant die nutzlose Vertheidigungaufgebeu, und seinem Regiment die Veste alsbald übergeben möchte;sollte der Kommandant aber keine Kapitulation eingehen wollen,so möge er das Regiment wenigstens ungehindert bei der Nestevorbei nach Hoff marschiren lassen, was auch bewilligt wurde.

Am 21. wurde das 14. bayersche Regiment durch das 6. ersetzt.

Am 25. erfolgte eine neue Aufforderung, mit dem Bemerken,daß Napoleon befohlen habe, die Blokade in eine Belagerung zuverwandeln. Alsbald machte der General Uttenhofen den versam-melten Offizieren bekannt, daß er den Umständen weichen undkapituliren müsse. Noch an demselben Tage besetzte der Feinddas vordere Thor, das Zeughaus und die Magazine.

So fiel die Veste Plassenburg, ohne daß der Feind ein Ge-schütz abgefeuert, und daß eS der Besatzung an etwas Anderemals an Rauchtaback gefehlt hätte.