das besetzte Ralhhaus mit zerrissenen Kleidern, oft halb entblößt,und erschienen dort unter dem Gewühl von Offizieren, Fourieren rc.,deren Forderungen unerschwinglich waren und sogleich ausgeführtwerden sollten. Eine Deputation verfügte sich zu den komman-direnden Marschällen und flehte um Schonung der Stadt. Manbedauerte das Unwesen, und meinte, der Soldat glaube die Stadtmit Sturm genommen zu haben und daher nach der raison «1«Zuerro plündern zu dürfen, indessen solle dem bald Einhalt ge-schehen. Dessenungeachtet dauerte dieser entsetzliche Zustand dieNacht hindurch bis zum folgenden Tag. Die Franzosen zeigtensich in dieser Nacht durch die scheußlichsten Ausschweifungen allerArt keineswegs als die gesittetste Nation der Welt, für die sieselbst sich wenigstens ansahen. Erst als der Senat den M. Ber-nadette wiederholt um Schonung angerufen, und Vorstellung ge-macht hatte, daß man bei fortdauernder Plünderung außer Standgesetzt werde, die Forderungen des Heeres zu befriedigen, wurdedurch Trommelschlag bekannt gemacht, daß die Stadt unter demSchutz des Kaisers stehe und die Plünderer militairisch bestraftwerden sollten. Der M. Bernadotte selbst und andere höhereOffiziere steuerten nun persönlich den weiteren Gewaltthaten. —Während der Plünderung in der Stadt waren dem Senatedie Requisitionen der französischen Behörden vorgelegt worden,welche dahin lauteten: es sollten alle ledig in der Stadt herum-laufeuden Pferde eingefangen, die tobten Körper schleunigst vonden Gassen entfernt, Gebäude zu Lazarethen eingerichtet, Leine-wand zum Verbinden angewiesen, in zwei Stunden 40 Pferde zuKourier- und Ertrapostpferden gestellt, große Quantitäten Wein,Federvieh, Wild, Fische, Austern rc. herbeigeschafft, täglich 150,000Pfund weißes Brod, 50 Ochsen, 80 Schweine rc. geliefert wer-den, und endlich sollten am 7. Morgens 6 Uhr 200 Zug- undReitpferde zur Disposition der höhern Offiziere in Bereitschaftstehn. Etwa 4000 Verwundete mußten versorgt, 5—6000 Ge-fangene in den Kirchen untergebracht werden, denen mau durchdie Fenster nur gekochtes Mehl, schwarzes Brod und Stroh ver-abreichte. Eine sehr große Masse Leichname schwamm in denWassern der Stadt. Mehr als 00 russische, preußische und schwe-
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