Druckschrift 
2 : 1, Der Feldzug von 1806. - 1850 (1855)
Entstehung
Seite
268
Einzelbild herunterladen
 

268

ten. Nun hörte man zwar die Kanonade bei Kriwitz, indessenda der Lieutenant Grolman sich äußerte, daß dies nur eine dertäglichen Kanonaden mit der Arriergarde sei, so ließ der Generaldennoch die Schwadronen bei Wenders in die Quartiere ausein-ander gehen und schickte den Lieutenant Willich I. zum Empfangder Parole und den Lieutenant Drygalski als Ordonnanz-Offi-zier nach dem Hauptquartier Ostorf.

Um 3 Uhr Nachmittags kam der General Usedom mit derLcib-Schwadron nach Kaartz, unweit Brüel; die Kanonade warstärker geworden, und zog sich nach Angabe der Einwohner in dieRichtung auf Schwerin. Dessenungeachtet beschloß der Generalin den Quartieren die Befehle des Generals Oswald abzuwarten.Um 5 Uhr hörte das Feuer auf, doch kam weder ein Befehl,noch kehrten die nach Ostorf gesandten Offiziere zurück.

Um 10 Uhr Abends meldete der Major Heiligenstädt ausWendors, daß bei Kriwitz ein bedeutendes srauzösisches Korps einLager bezogen habe, und daselbst noch Alles in voller Bewegung sei.

Diese Meldung bestimmte endlich de» General, das Regi-ment zusammen zu ziehen, nach Schwerin zu marschiren und sichmit der Armee zu vereinigen. Noch ehe indessen hiezu der Befehlgegeben worden, laugte der Fähnrich Wechmar von Katte-Dra-gonern an, der vom General Wobeser den Rath brachte sich nachWismar zurückzuziehen und sich mit ihm, dem General Wobeser,zu vereinigen, da der Weg nach Schwerin bereits gesperrt sei.Der Fähnrich Wechmar hatte indessen mißverstanden; der GeneralWobeser hatte gewünscht, der General Usedom möge gleich ihmin der Richtung ans Wismar um den Schweriner See gehen.Der General Usedom sah diesen Rath eines ältern Generals füreinen Befehl an, und brach um Mitternacht mit dem Regimentnach Wismar auf.

Am 4. November um 11 Uhr Vormittags traf der GeneralUsedom bei Wismar nach einem Marsch von beinahe 5 Meilenein, fand aber natürlich den General Wobeser nicht. Die Pferdewaren aufs Aeußerste erschöpft. Man bezog ein Bivouak, undsandte nach allen Richtungen Patrouillen aus, ohne etwas vonFreund und Feind zu erfahren. Die Verlegenheit war groß.