die Liebe und Achtung der Menfchen zu erwerbeinEs giebt wenig, die nicht eben fo eiferfüchtig aufihren Charakter in Anfehung des Verftandes unddes Willens find, als in Anfehung der Ehre und desMuths ;und noch weit mehr als in Anfehung derEnt-lialtiamkeit und Mäfsigkeit. Die Menfchen fcheuenlieh fogar für gutgeartet zu gelten ; weil fie fürchten,es möchte diefes für ein Zeichen des Mangels amVerftande genommen werden: und oft rühmen fiefich mehrerer Ausfchweifungen, als fie in der Thatbegangen haben, um fich das Anfehen zu geben,als ob fie Feuer und Geift befäfsen. Kurz, die Fi-gur, die ein Menfch in der Welt fpielt, die Auf-nahme, die er in der Gefellfchaft findet, die Ach-tung, die ihm feine Bekannten erweifen ; alle diefeVortheile hängen meiftentheils eben fo fehr von fei-nem Mutterwitze und feiner Beurtheilungskraft ab,als von den übrigen Theilen feines Charakters. EinMann mag die beften Abfichten in der Welt haben,er mag noch fo entfernt von aller Ungerechtigkeitund Gewaltthätigkeit feyn; fo wird er fich doch nieviele Achtung verfchaffen können, wenn er nichtwenigftens einen mittelmäfsigen Theil von Natur-gaben und Mutterwitz hat. Da alfo Naturgaben,wenn fie gleich unter den moralifchen Tugendenftehen, doch ihren Urfachen und Wirkungen nach,mit den Eigenfchaften, die wir moralifche Tugen-den nennen, gleich find; warum follten wir einenUnterfchied zwifchen ihnen machen?
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten