2 66 Ueber die meftfchliche Natur.
diefe Tugenden als blos heidnifch und naturaliftifchverfcbreien, und uns den Vorzug der chri etli-chen Religion anpreifen, welche die Demutli un-ter die Tugenden erhebe, und das Urtheil der Welt,ja feibft der Philofophen verbeffere, welche fo allge-mein die Wirkungen des Stolzes und des Ehrgeizesbewundern. Ob diefe Tugend der Demutli richtigverftanden fey, will ich mir nicht anmafsen zu be-ftimrnen. Ich bin zufrieden, wenn man nur zu-giebt, dafs die Welt natürlicherweife einen wohlge-ordneten Stolz, der insgeheim unfern Muth belebt,ohne in folche unziemliche Ausbrüche der Eitelkeitauszuarten, welche die Eitelkeit Anderer beleidigen,allgemein achtet.
Das Verdienft des Stolzes oder der Selbftfchä-tzung rührt von zwei Umftänden her: nemlich vonihrer Nützlichkeit und von ihrer Annehmlichkeitfür uns; wodurch fie uns zuGefchäften fähig macht,und uns zu gleicher Zeit ein unmittelbares Vergnü-gen gewährt. Sobald der Stolz feine gehörigenGrenzen überfchreitet, fo verliert er den erftenVortheil und wird fogar nachtheilig; und diefes iftder Grund, weshalb wir einen ausfehweifendenStolz und Ehrgeiz verdammen, wenn er gleich durchden Wohlftand einer guten Erziehung und durchfeine Sitten in Ordnung gehalten wird. ' Allein da,eine folche Leidenfchaft immer noch angenehm ift, *und der Perfon, welche davon bewegt wird, eine er-hühete und erhabene Empfindung giebt, fo benimmtdie Sympathie mit dem Vergnügen dem Tadel fehr
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