Von ( 3 . übrigen T u gen den u. L altern. 31 %
Allein ob diefes Syftern gleich irrig ift, fo kann esuns doch lehren, dafs der moralifche Unterfchiedgrofsentheils auf der Beziehung der Eigenfchaftenund Charaktere auf das Intereffe der Gefellfchaftberuht - , und dafs es der Antheil ift, den wir andiefem Intereffe nehmen, welcher macht, dafs wirlie billigen oder mifsbilligen. Nun nehmen wirdurch keine Eigenfchaft einen fo ftarken Antheilan dem Wohle der Gefellfchaft, als vermittelft derSympathie; und folglich ift fie es auch, welche unsfo weit aufser uns felbft verfetzt, dafs wir an denCharakteren, die auf anderer Menfchcn Wohl oderWeh einfliefsen, eine eben fo grofse Luft oder Un-lul't empfinden, als ob fie unmittelbar auf das un*frige in Beziehung ftänden.
Der einzige Unterfchied zwifchen den natürli-chen Tugenden und der Gerechtigkeit liegt darinne,dafs das Gute, welches von den erftern entfpringt,von jeder einzelnen Handlung entlieht und das Ob-jekt einer natürlichen Leidenfchaft ift: da hingegeneine einzelne Handlung der Gerechtigkeit an fiehbetrachtet, oft dem allgemeinen Beften widerfpre-eben kann; und blos die Zufammenwirkung desmenfchlichenGefchleclits in einer allgemeinen Normoder Syftern gedacht, ift vortheilhaft. Wenn ichPerfunen in ihrem Trübfale helfe, fo ift meine na-türliche Menfchenliebe der Beweggrund dazu; undfo weit fich mein Beiftand erftreekt, fo weit habeich die Glückfeligkeit meiner Nebengefchüpfe be-fördert. Allein wenn man alle die Fälle unterfu-
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