Druckschrift 
3 (1792) Ueber die Moral
Entstehung
Seite
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Von Tugend und Lafter überhaupt s?

fache; aber fie ift nicht ein Objekt der Vernunft, fon-dern des Gefühls. Es liegt in euch feibft, nicht indem Objekte. So dafs wenn ihr fagt, eine Handlungoder ein Charakter fey lafterhaft, fo wollt ihr nichtsanders Tagen, als dafs ihr vermöge der Einrichtungeurer Natur ein Gefühl oder eine Empfindung des Ta*dels gegen fie habt, wenn ihr fie euch vorftellt. Tu-gend und Lafter können alfo mit Tönen, Farben,Hitze und Kälte verglichen werden, welche nachden neuern Philofophen, keine Qualitäten in denDingen, fondern blofse Vorftellungen im Gemüthefind: Und diefe Entdeckung mufs in der Sittenlehreeben fo wie jene in der Naturlehre, als ein wichti-ger Fortfehritt in den fpekulativen Wiffenfchaftenangefehen werden; ob er gleich in der einen fo gutals in der andern, wenig oder gar keinen Einflufsauf das Praktifche hat. Nichts kann reeller feynoder uns näher intereffiren, als unfre eignen Em-pfindungen des Vergnügens und Mifsvergniigensund wenn diefe der Tugend günftig und dem Lafternicht günftig find, fo kann nichts mehr zur Anord-nung unfrer Aufführung und unfres Betragens erfo-dert werden.

Ich kann nicht umhin, zudiefem Raifonnementnoch eine Bemerkung hinzuzufügen, welche viel-leicht als nicht unbedeutend gefunden werden dürf-te. In jedem Moralfyfteme, das mir bis jetzt vorge-kommen ift, habe ich immer bemerkt, dafs derAuktor eine Zeitlang die gewöhnliche Art zu fchlief-fen befolgt, und das Dafeyn Gottes begründet, oder

Beob-