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Ueber die menfchliche Natur.
Diejenigen, welche fagen, dafs die Tugendnichts als eine Uebereinftimmung mit der Vernunftfev, dafs es gewiffe Realitäten und Negationen derDinge gebe, die für jedes vernünftige Wei'en, das fiebetrachtet, diefelbigen wären; dafs die unveränder-lichen Gefetze des Rechts und Unrechts nicht nurdem menfchlichen Wefen, fondern derGottheit felbftVerbindlichkeit auflegen: Alle diefe Syfteme kom-men in der Meinung überein, dafs die Moralität,gleich der Wahrheit blos durch Begriffe und derenNebeneinanderftellung und Vergleichung unterfchie-den wird. Um alfo über diefe Syfteme zu urtlieilen,dürfen wir nur erwägen, ob es möglich fey, «iurchVernunft allein das moralifche Gute von dem Höfenzu unterfcheiden, oder ob noch andre Principienhinzukommen müffen, um uns in den Stand zu fetzen,diefen Unterfchied zu machen.
Wenn dieMoralität der Regel nach keinen Ein-flufs auf menfchliche Leidenfchaften und Handlungenhätte, fo^wäre es vergeblich, dafs man fich fo vieleMühe giebt, fie einzuprägen; und es würde nichtsunnützer feyn, als die Menge von Regeln und Vor-fchriften, womit alle Moraliften fo reichlich verfe»hen find. Man theilt die Philofophie gewöhnlich indie fpekulative und praktifche Philofophie;und da dieMoral immer unter der letztem begriffenwird , fo wird vorausgefetzt, dafs fie auf unfre Lei-denfchaften und Handlungen einfliefse, und überdie ftillen und unthätigen Urtheile des Verftandeshinausgehe. Und diefes beftätiget auch die gemeine
Erfah-