226
Acht und neunzigster Brief.
Wie ganz ohne allen Werth und todt alles Das ist, von demdie reine Liebe Gottes nicht die Grundlage ausmacht. iDWorin die reine Liebe Gottes besteht, und von ihrer kost? DE'liehen Wirkung auf die Seelen.
In Jesu, der unser Leben und Allessei, sehr werthe und herzlich ge- ^liebte Schwester! .Ä,
Deinen mir angenehmen Brief vom 20. September D»habe ich nebst dem Einschluß richtig erhalten, und sage »Kvon Herzen Amen auf Deine Wünsche und auf die von MDir ausgesprochenen Wahrheiten. Der Herr vollbringe inund durch uns Alles, was seinem Willen wohlgefallt, undbeseele uns und all' unser Thun und Leiden mit seiner z ^göttlichen Liebe, ohne welche wir und Alles, was wir ha- ^den oder verrichten, todt und ganz ohne Werth sind! Jede ^Sache wirkt nach ihrer Beschaffenheit, und jeder Baum ^tragt Früchte nach seiner Art. Was ist der Mensch an g,,und für sich selbst? was hat er? was ist sein Thun? Ist ^nicht Alles menschlich? d. h. sehr gering und unlauter, ^wenn nicht ein anderes Leben, nämlich die reine LiebeGottes, zum Grunde liegt. Das beste ist Schein und ,Prunkwerk, von dem in der Feuerprobe nichts offenbar ^
wird. Ich denke an 1. Cor. 3, 13. Ich weiß zwar nichtrecht, liebe Schwester, warum ich dieses schreibe; aber soviel ist wahr, daß ich seit einiger Zeit die Wahrheit vonder Schönheit und Reinheit der Liebe Gottes viel mirmir herumgetragen habe und darauf hingcwicscn werde.Ich sehe den Menschen so versunken und befangen in undauf sich selbst, er arbeitet und wühlt in sich selbst, erkommt nicht empor noch überwindet er das Hinderniß, undin und für sich selbst suchend, findet er kein wahrhaftiges
A
Ä
Ei'ij