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ich nicht glaube, daß irgend eine Seele, wie aufrichtigund willig sie auch sein mag, ohne Leiden, und viel Lei-den, das verborgene Sehen und Stützen auf eigene Tu-gend und Kraft fahren laßt, was doch Alles, beim Lichtbesehen, nur Untugend und Schwache ist. Gott Alles,wir nichts! o, welch ein schöner Grund ist das, wenner nur so recht fest in uns Platz findet! Wie angenehmist die Uebereinstimmung in den Ohren Gottes, wenn un-ser Nichts seiner Allheit unaufhörlich huldigt. Dasist die wahre Lage der Creatur; da findet der Geist Le-ben, Freiheit und Ruhe. Wie anbetungswürdig und gutist es, daß Gott uns so kann und will selig machen, daßwir unsre Seligkeit Niemandem als ihm allein zu dankenhaben sollen; ja, daß er allein unsre Seligkeit sein will.
Darum glaube ich, lieber Bruder, daß wir uns überdie Wege, auf denen wir schwach, arm, klein und nacktwerden, nicht beängstigen oder beunruhigen müssen, son-dern recht liebenswürdig sein sollen, immer fortwandelndmit einem beständigen Absehen von uns selbst, und unsbeständig dem Herrn überlassend, der allein und unaus-sprechlich gut, und dem es ein Wohlgefallen ist, nicht nurdie Gerechten selig zu machen, sondern auch die Sünder,welche sich so blindlings verlieren in den Ocean der vä-terlichen Liebe Gottes, der uns so innig offen steht in deniNamen Jesu, verherrlicht in Ewigkeit! Amen.
Es stehe mit uns wie es wolle, Gott ist immer un-veränderlich derselbe, stets gegenwärtig, gut, mächtig,weise, selig und liebenswürdig. So werde er denn aucherhöht und verherrlicht, und sein beständig guter Willegeschehe in und von uns bis in Ewigkeit, dann kann eSnur gut gehen. Die allgemeine, tief verborgene Neigung,Gott rein zu verherrlichen und ganz vor ihm sein zu wol-len, ist uns von ihm aus Gnade verliehen, und wird auchdurch dieselbe Gnade gewiß erfüllt werden. „Herr, bleibe