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Gottesfürchtige und erbauende Briefe über verschiedene Gegenstände, die das innere Leben oder die fortwährende Ausübung des Christenthums betreffen
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111
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zwei Bächlein werden, die einander treffend sich ver-einigen und nun so viel schneller fortfließen, um sichim Ocean zu verlieren. Lassen wir uns daher, meinetheure Freundin, uns selbst und alles Erschaffene in demHerrn verlieren, auf daß unser Geist seine wahre undbleibende Ruhe finde. Wem es durch Gottes Licht undRath enthüllt ist, der weiß es allein, mit wie vielen un-zähligen und verborgenen Banden wir an uns selbst undan Allem festgebundcn sind. Wir sehen, besitzen, liebenund halten uns selbst fest, und das ist die Quelle allerSchmerzen und alles Elendes. Die Seligkeit liegt nurim Loslasscn und im Verlieren. Die Seele mag noch soaufrichtig suchen Gott zu dienen; sie mag es in Diesemoder Jenem suchen, sie wird doch nie bis auf den Grundbefriedigt werden oder Gott wirklich finden, wenn siesich nicht entschließen kann, zu der Nacktheit einzugehen,und sich durch gänzliches Loslassen in Gott durch denGlauben verliert. Der geringste Blick auf uns selbststört unsre volle Ruhe in Gott, der unser einziges Ziel,unser einziger Ruhepunkt und unsre einzige Seligkeit ist.Ich weiß, daß dieses seine Liefen hat, und mehr durchDulden als Thun erwartet und erreicht werden muß;aber der Herr kommt Jedem entgegen mit seinem Rufe,nach eines Jeden Zustand und Beschaffenheit. Beherzi-gen wir diesen Ruf durch inniges Bei-ihm-bleiben und Fol-gen, dann werden wir erfahren, wie seine göttliche Liebeuns von Stufe zu Stufe in die Tiefe des LoslassensundVerlierens führt. Die Eigenheit erschrickt vor dieser Nackt-heit. Sie verlangt entweder im Natürlichen oder im Gei-stigen nach Leben und Nahrung, aber die reine Liebeschneidet ihr dies Alles ohne Mitleiden ab, wie geistigoder göttlich es auch scheinen mag; und nach Maßgabeuns diese reine Liebe beseelt, verlangen wir es auch nichtanders; wir entfliehen diesem verzehrenden Liebesfeuer