Druckschrift 
Gottesfürchtige und erbauende Briefe über verschiedene Gegenstände, die das innere Leben oder die fortwährende Ausübung des Christenthums betreffen
Entstehung
Seite
102
Einzelbild herunterladen
 

102

den Glauben einfuhren in dieses Vollkommen sei»in eins. Ich bemerke, daß auch Dich, lieber Bruder,alles Mannigfaltige, alles Umsehen und Anschauen undwas daran fest klebt, weniger oder mehr ängstigt undaus dem Frieden führt, der, wie allgemein und nackterauch auf dem Grunde liegen mag, dennoch eine GabeGottes und ein Schatz ist, mehr werth denn tausend 8ten. Durch diesen nackten Frieden, denn dies ist er meistens, will der Herr selbst in uns wohnen, leben und wirken, worin allein die Heiligkeit und Seligkeit bestehtDas Samenkorn zu diesem Baum wird wohl in versäße,dene gute Herzen gepflanzt, aber da es so klein ist, undwie in der Erde liegt, so wird es nur von Wenigen be-merkt, geachtet und aufgezogen. Dieses Korn legt derHerr so ganz allein in uns, und es muß auch nur durchseine eigne Kraft Wurzel in uns schießen. Der grob-sinn-liche Mensch will viel sehen, viel thun und viel haben,sonst, meint er, kann es nicht gut gehen; das kommt da-her, weil er die reine, geistige Wirkung Gottes nicht be-greifen kann; wer aber den Glauben zu seinem Führer er-wählt, spürt, daß all' dieses viele Sehen, Thun undHaben je länger je mehr in das Eine, ja in das Nichtsversinken muß. Eine Pflanze, die gut soll aufwachsen,darf man nicht beständig begucken und betasten wollen,sie bedarf unser Beschauen und Behandeln nicht, manlasse sie nur ruhig im Boden liegen, dann schießt siedurch ihre innere Kraft auf; und wenn von unsrer Seiteetwas dabei zu thun ist, so ist es allein dieses, keine zugroße Last darauf zu legen, und schädliches Gewürme vonihr abzuwehren. Soll der Herr in uns leben und seinenFrieden festmachen, dann muß man die innere und sovielmöglich auch die äußere Stille lieben, immer zunehmen imAbsterben von sich selbst, und zufrieden sein mit allen La-gen, in welche uns der Herr für das Gegenwärtige vcr-

r-s

Ml.

l>

M

Mi

»!

it. ß