Meister jene besondere Begabung für dekorative Arbeiten,die ihm in der baulustigen Zeit bald eine Reihe vonAufträgen aus der Mitte der Stuttgarter Architektenund Werkmeister verschaffte. Schon im Jahre 1869kam ihm durch einen württembergischen Landsmann,Architekt Wanner, eine Bestellung dieser Art ausdein Auslande zu: eine Figurengruppe über dem
Haupteiugang des Bahnhofes in Zürich, gebildet auseiner Helvetia und zwei, den Land- und Wasserverkehrdarstellenden weiblichen Gestalten. In Zinkguß aus-geführt zeigt diese Komposition ebenso wie eine inSandstein hergestellte Gruppe von Ackerbau und Handelfür die Villa Bohnenberger in Stuttgart (1870) jenefreiere Verbindung von modernem Geiste und griechi-schen Formen, welche in den allegorischen Statuender Jubiläumssäule seinem Lehrer Wagner so wohlgeglückt war. Für beide Gebäude hat Rau auch nocheine Reihe von anderen Figuren, Genien, Atlantenund Karyatiden modellirtH. Unter weiteren Bauten,die damals und später überraschend hübsche Aus-schmückungen von ihm erhalten haben, sind zu nennen:der von Rödersche Bau in der Frievrichsstraße, dieVillen Single, Siegle, Clason, Moser, das HotelMarquardt, das Eiselesche Haus (Ecke der Uhland-und Gaisburgerstraße), der kleinere Saal des OberenMuseums. Mit Freuden erinnert sich das ältere Ge-schlecht der Stuttgarter auch noch einer stolzen, 25 Fußhohen Siegesgöttin, die er in vergänglichem Material
i) Die zwei Karyatiden am Balkon der Villa Bohnenbergerstammen von Paul Müller (geb. 1843), dem Schöpfer der Christoph-statue und der Eberhardsgruppe.