Druckschrift 
Württembergische Künstler in Lebensbildern : mit 22 Bildnissen in Holzschnitt
Seite
252
Einzelbild herunterladen
 

252

I. F. Dieterich

italienischen Stil", das von ihm selbst für das ge-lungenste seiner Werke erklärt wurde. Ter Besitzer ver-kaufte es später zu Gunsten des Urhebers wieder, wo-durch es in eine unbekannte Brüsseler Galerie kam undfür uns verschollen ist. Für den Freiherrn JohannFriedrich von Cotta kopirte er in Rom noch die Ra-faelsche Madonna di Foligno.

Aus der christlichen Kunst wurde unser Meister, alser im Jahre 1822 nach Stuttgart zurückkehrte, plötzlichin die antike Mythologie versetzt. König Wilhelm gabihm den Auftrag, für die östlichen und westlichen Giebel-felder des von Giovanni de Salucci neu erbauten Land-hauses Rosenstein bei Cannstatt Kompositionen zu ent-werfen, welche nach der ursprünglichen Absicht in Gußeisenhergestellt werden sollten. Die Entwürfe mußten involler Größe mit Temperafarben auf Leinwand gemaltwerden, die Figuren in Bronze-Ton, der Grund grau,damit die Wirkung vorher an Ort und Stelle erprobtwerden konnte. Dieterich entledigte sich der etwas selt-samen Aufgabe, als Maler für Plastik zu komponiren,mit viel Takt und glücklicher Erfindung. Die Aus-führung wurde aber nicht in Eisen, sondern in Sand-stein gemacht. Auf der Ostseite, welche der Hofstukkatorund Bildhauer Ludwig Mack in Hochrelief ausarbeitete,ist der Sonnenaufgang durch den Wagen des Helios,auf der Westseite, welche der Hofbildhauer FriedrichDistelbarth flacher hielt, die Nacht durch das Gespannder Artemis dargestellt. H

*) S. d. Beschreibung in dem schönen Aufsatze von Grüneisen„Ueber die Kunstwerke des k. Landhauses Rosenstein" im Kunstbl.Jg. 1830 S. 289 sf.