I. F. W. Müller
235
sollen, nicht ohne da und dort einmal zu straucheln, sohat er dagegen in Im vermesse schon den besonnenenGang eines angehenden Meisters. Dieses Blatt zeichnetsich in der That ebenso durch feine Formdurchbildungwie durch treueste Wiedergabe des besonderen Stoff-charakters des Marmors vor den meisten Statuen-Stichenjener Zeit aus.
Eine neue Gelegenheit zur Bewährung im Porträt-Stich gab Müller im Jahre 1805 der Erbprinz vonWürttemberg, der nachmalige König Wilhelm, der vonItalien über Paris nach Hause ging und sich von ihmzeichnen und stechen ließ. Als letzte Platte in Paris')legte er die Platte des h. Johannes des Evangelistennach Domenichino an, von welchem Bildes er sichschon von Stuttgart eine Zeichnung mitgebracht hatte.Zugleich zeichnete er im Louvre Domenichinos h. Cäcilie,die sein Vater für das LIu866 frangam zu stechen über-nahm. Im August 1806 trat er über Lausanne, Bernund Zürich die Rückreise nach Stuttgart an.
Man kann sich kein schöneres Zusammenleben vonVater und Sohn denken, als wie es die beiden Müllerdamals hatten, der Vater mit seiner Cäcilie, der Sohnmit seinem Johannes beschäftigt, beide in friedlichemWettkampf um den höchsten Preis einer und derselbenKunst. Die Palme trug unstreitig der genialere Sohndavon; für den Vater aber konnte es keine bessere Ent-schädigung geben, als die Unterschrift unter dem im
Ein nicht in den Handel gekommenes Porträt-Medaillonvon Napoleon gehört wohl in die frühere Stuttgarter Zeit.
2) Damals im Besitz des Reg.-Rats Frommann in Stuttgart,jetzt in der Eremitage in St. Petersburg.