234
I. F. W. Müller
letzteren, dem begabtesten französischen Schüler Willes,zeichnete er ein Brustbild nach dem Leben. Der jungeMann mutete sich aber bald im Studium und in derArbeit mehr zu, als seine zarte Konstitution ertragenkonnte. Er stach damals nach einer Zeichnung seinesVaters das von Hetsch gemalte Bildnis des Hofkammer-rates Martin Notier, des Großvaters des DichtersFriedrich Notier. Nach Vollendung dieser Platte „fieler in eine solche Ermattung, daß er sich für unfähighielt, je wieder etwas zu unternehmen". Um diesemZustand ein Ende zu machen, nahm ihn ein Freundseines Vaters, der Schweizer Maler Kymli, aufs Land,wo die reinere Luft und Flußbäder bald das ihrigethaten. Kymli unterrichtete ihn zugleich im Malen,was seiner Stecherkunst sicher sehr zu gut kam.Friedrich malte rasch hinter einander drei Bildnisse nachdem Leben, darunter sein eigenes im Jahre 1803.Wenige Monate nachher kehrte er mit so frischer Arbeits-kraft nach Paris zurück, daß er gleich zwei neue Plattenin Angriff nahm. Die Herausgeber des Nusaa Iranham,für das schon sein Vater beschäftigt war, übertrugenihm den Stich einer antiken Statue, der sogenanntenVenus von Arles im Louvre, nach einer Zeichnung vonGranger; einer derselben, Robillard-Perronville, beauf-tragte ihn für seinen Privatverlag mit dem Stich einerschönen modernen Statue, Im Ieun688v des BildhauersFranyois le Maffon, gezeichnet von Bouillon. Diebeiden Blätter zeigen eine merkwürdige Verschiedenheit.Bewegt sich Müller bei der offenbar zuerst gemachtenVenus von Arles auf dem ihm neuen Felde des Marmor-Stiches mit der überkecken Sicherheit eines jungen Ge-