170 Ä. F. E. Wächter
Geleise nicht mehr verließ. Bis zum Jahre 1820 isteine Abnahme seiner künstlerischen Kräfte kaum zu be-merken, aber auch seine reifsten Werke geben keineVeranlassung, das jetzt in der deutschen Kunstgeschichteallgemein geltende Urteil anzugreifen, daß sein Talentim Technischen zumal im Zeichnen über das Mittel-maß nicht hinausging. Von den Württembergern imbesonderen waren ihm Hetsch, Schick, Neher, Gegenbaurdurch natürliche Anlage und glücklichere Ausbildungentschieden überlegen. Aber seine reine Gesinnung, seindurch das eigene Beispiel geführter Kampf um Ver-tiefung und Veredlung alles künstlerischen Schaffens fanddoch auch schon zu seinen Lebzeiten mannigfache Aner-kennung. König Wilhelm verlieh ihm im Jahre 1831den Kronorden und bewilligte ihm im Jahre 1839 eineEhreuzulage von vierhundert Gulden zu den bisherigenfünfhundert.
lieber die letzten Lebensjahre des vielduldendenMannes sind wir nur wenig unterrichtet. Seine treueRömerin Pflegte ihn im Verein mit den fleißigenTöchtern mit rührender Sorglichkeit; auch die Ver-wandten und Stuttgarter Kunstfreunde, wie besondersder aus Schicks Jugendzeit bekannte Bankier MosesBenedikt, nahmen sich seiner liebevoll an. Wächters äußereErscheinung blieb noch lange so, wie Ludwig Richter')sie schon im Jahre 1826 gefunden hatte: „Die vonJahren etwas gebeugte, nicht große Gestalt, der freund-liche, sinnige Ausdruck seines rötlichen Gesichtes mit den
') Lebenserinnerungen eines deutschen Malers. Herausg. v.H. Richter. S. 270 f.