Druckschrift 
Württembergische Künstler in Lebensbildern : mit 22 Bildnissen in Holzschnitt
Seite
130
Einzelbild herunterladen
 

130

G. H. Rapp

zur Frankfurter Messe gerne Gelegenheit, seinen Sinnfür landschaftliche Schönheit auszubilden, und sich inKirchen, Schlössern und reichen Kaufmannshäusern nachKunstwerken umzusehen. Noch erhaltene Tagebücherzeigen überraschend glückliche Versuche des Jünglings,solche Eindrücke in Worte zu fassen und festzuhalten.Nach Beendigung der Lehrjahre blieb er im väterlichenHause, hatte aber jetzt doch freieren Spielraum. Schonim Jahre 1777 legte er ein Bändchen mit Auszügenaus kunstgeschichtlichen Werken an und machte, wie er-zählt wird, ohne Lehrer, aber doch wohl nicht ohnekünstlerische Beratung, große Fortschritte im Zeichnen.

Zu seiner kaufmännischen Weiterbildung ließ ihn derVater im Jahre 1783 vom April bis zum August eineReise durch die Rheinlande, Belgien, Holland undFrankreich machen. Nach dem darüber geführten Tage-buch sammelte er mindestens mit demselben Eifer Kunst-wie Geschüftskenntnisse; aber auch für die natürlichen,politischen, kirchlichen und sozialen Verhältnisse der durch-reisten Länder hielt er die Augen mit einer Lebhaftig-keit offen, die vielfach an Goethes Reisekunst erinnert.

Der Vater war mit dem Erfolge dieser Fahrt sozufrieden, daß er dem Sohne für das nächste Jahr einezweite, nach Italien, in Aussicht stellte; aber sein nochin demselben Jahre erfolgter Tod nötigte den jungenMann, unter Verzicht aus dieses Glück, mit der Mutterdie Führung des Geschäftes zu übernehmen. Er be-nützte die frühe Selbständigkeit schon im Jahre 1785zur Gründung eines eigenen Hausstandes mit der Tochtereines Stuttgarter Apothekers, Friederike EberhardineWalz, welche dem Gatten eine Reihe von Söhnen und