Der iz6ste Brief.
An eine Katholische Jungfer. Weg zur allgemei-nen Liebe.
Hochgeehrte Freundinn!
As thut mir leid, daß Sie sich die Mühe^ gegeben, einen so weirläuftigen Brief anmich abzulaßen; ich kann selbigen aber inaller Einsalt annehmen, alseinen neuen Be-weis Dero aufrichtigen Zuneigung und Liebe.Durch diese ihre Liebe will Sie mich gernwarnenvordem, wasJhr schädlich vorkommt,und mir dasjenige anpreisen, was Sie gut undheilsam achtet.
Ich müßte der undankbarste Mensch vonder Welt seyn, wenn ich dieses Ihr Betra-gen übel deutete. Glaube Sie mir, wer-the Freundinn! es ist mir aufrichtig um GOttund um die Wahrheit zu thun. Ich binein sündiger Mensch, das ist wahr; aberich liebe die Sünde nicht, sondern wünsche,durch GO tres Gnade davon befreiet zuseyn. Ich kann irren, das ist auch wahr,aber ich liebe keinen Jrrthum, sondern sobald ich davon überzeuget werde, will ich! den Jrrthum verlaßen, und die Wahrheit> ergreifen. Derhalben, ob ich gleich nichtalles äußerlich so thun und glauben kann, wie
Sie;