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Bd. 2 = Th. 4 (1799)
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Geistliche Briefe.

Maß, führen es zu viel ins Sinnliche, undnehmen dasjenige für uns zum Eigenthum,was wir nur m uns für GMcr haben, undihm getrost wieder aufopfern sollten.

Du kennest ja, lieber Bruder! deine' schwache Sinnlichkeit, ja deine starke Sinn-lichkeit, wie deine Liebe und Neigung so un-mäßig auf einen Vorwurf gehen kann. Dufablest dich ja auch berufen zur allein bleibendberuhigenden Gemeinschaft mit GOtt imGeist, welcher GOtt auch billig dein ganzesHerz mit allen innigsten Liebesneigungen fürsich haben will. Zu diesem theuern Beruf,und zu dieser göttlichen Anfoderung deines ^Ganzen hast du ja auch deine Gemütbseinwil- !ligung gegeben; so mußt du ja nun GOttauch machen laßen, wenn er dir was Liebes(das seiner Liebesanfoderung etwa im Wegesteht) wegnimmt, damit er dein Liebes so vielvölliger werde. GOtt hat dem ohneracbtetMitleiden mit unserer schwachen Empfindlich-keit; auch ich habe wahrlich ein brüderlichesMrtleiden mit dir, und liebe dich bei deinenSchwachheiten; so wie der HErr auch mich,aller Schwachheiten wegen, nicht abweiset;das aber fürchte ich immer, daß du mit dirselbst, das ist, mit deiner Natur und Sinn-lichkeit zu viel, mit deinem Geist und innernMenschen aber zu wenig Mitleiden hast.

Unserer Natur gehts oft, wie den Kin-dern, die gern beklagt seyn wollen. Sollen

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