Druckschrift 
Bd. 2 = Th. 4 (1799)
Entstehung
Seite
106
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io6 Geistliche Briefe.

deinen äußeren, sowohl als deinen innerenZustand angelegentlich, doch in Schwachheit,unserem süßen Heilande auf. Meine mehrals gewöhnliche Schwachheit ist die Ursache,daß deine mir angenehme Brieflein (das letz-tere war vom 29sien Julii) nicht beantwortethabe: auch bin ich noch jetzt zum Schreibennicht wohl im Stande; doch muß dich mitein Paar Zeilen grüßen, und dir des HErrnkräftigen Segen, zu deiner Herzstärkung,zuwünschen.

Ser) getrost, liebe Schwester! in GOtt,der dich geliebet und für sich erwählet hat.Du hast keine Ursache zu fürchten, oder zumißtrauen. Dein Zustand ist so, wie er fürdiese Zeit seyn muß. Ueberlaß' dich demHErrn kindlich, so wie du dich findest. Hastdu nichts und bist du nichts in dir selber,so gedenke, das GOtt das Deine auchnicht nörhig hat. Er ist dein GOtt und deinGut; in seinem Liebesherzen ist alles, waswir bedörfen: da senke dich, mit mir, nackendhinein, beides im Leben und im Sterben.Pure Gnade und die freie Gunst GOttesin Christo macht uns beides heilig und se-lig : suche keinen anderen Grund weder indir, noch in einigem Geschaffenen. SieheGOtt an, und nicht dich felbst. Liebe denGOtt, wie du kannst. Ueberlaß dich, undwage es nur auf GOtt und pure Gnade,so wirst du m'mmermebr zu schänden werden,sondern die Wunder GOttes erfahren. Ich

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