Druckschrift 
Bd. 2 = Th. 4 (1799)
Entstehung
Seite
36
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;6 Geistliche Briefe.

sund als krank; sowohl wenn du stirbefl,als wenn du lebest. Doch kann ich dich garwohl verstehen, warum dir jetzt die Krank-heit lieber ist, als die Gesundheit; der HErrverstehet das auch wohl, aber er thuts den-noch, wie es ihm gefällt, und damit mäßenwir kindlich zufrieden seyn.

Ich wünschte aber, daß du dich in demeinen Punct, worin du glaubest, daß dudich versündiget habest, was deutlicher er-kläret hättest; ich Habs so was mäßen rathen.Du kannst und mußt kindlich und ungescheutschreiben; niemand kriegt es zu sehen, undich verbrenn' es, so bald ichs beantwortethabe. Alle Sünden mäßen dir mißfallen,aber du mußt dich nicht zu lange dabei aus-halten, sondern so nackt und gebrechlichdich mit demüthigem Vertrauen in die süßeLiebe JEsu ersenken, in welchem Liebesab-grund alle Elenden verschwinden.

Ich danke GOtt herzlich, daß er dirgut gewesen ist in deiner Krankheit, unddaß er dich ein wenig hat erfahren laßen,wie so innigst nahe er deiner Seele ist. Ver-giß doch nimmermehr, was er deiner Seelegethan hat. Denke aber, daß GOtt un-veränderlich ist; er ist jetzt in der Entblö-ßung eben so innigst nahe, als zuvor; er istnun eben so liebenswert!), als damals; erhat dich nun eben so lieb, als zu der Zeit:weil du gerne ihn allein lieben, und mitihm leiden willst. Ja, glaube mir, liebe

Schwe-

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