Der 88ste Brief.
Rath und Unterricht an eine Schwester bei zu-nehmender Krankheit ihres Bruders.
Liebe Schwester in JEsu!
c^ch Hab* immer gedacht, du würdest mir mitein Paar Zeilen berichten, wie dirs jetztals gehet, sonderlich bei gegenwärtigen Um-ständen mit der Krankheit deines Bruders.Ich weiß, du schreibst mir im Geist bisweilenein Brieflein, so mir auch angenehm, abernicht allezeit genug ist. Du mußt nicht allezeitwarten wollen, bis der Sturm vorüber, unddu nur schöne Sachen schreiben kannst. Ichmelde dieses nicht darum, daß ich dich justzum Schreiben dringen will. Nein! wenndu glaubst, es sey nicht nöthig, oder wenn esnicht mit innerer Freiheit geschehen kann, undder Geist dadurch von etwas Vessers abge-zogen wird, dann thu' es nicht; ich will ditnur zeigen, daß du frei seyn magst.
Ich kann dich so herzlich dem liebsten Hei-land aufopfern, meine Tochter, und michmit dir im Geist vereinigen; laß dich nur drin-nen im Geist bewahren und halten, und keineStörung, Kleinmüthigkeit, oder düstere Furchtdich daran hindern. Solche jetzt genannteDinge mögen wir wohl leiden, wenn es seyn