Druckschrift 
Bd. 2 = Th. 3 (1799)
Entstehung
Seite
178
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Geistliche Briefe.

gut halten, weil das innige Verlangen, ihmallein anzuhangen und zu gefallen, dir dieLast deiner Elenden so schwer macht, undsolche bittere Klagen erpresset, da du so vielihm Mißfälliges in dir merkest: ich kanndirs auch zu gut halten, aber nicht gut hei-ßen. Unsere Elenden sollen uns nicht inKleinmüthigkeit, Verdruß und Unwillen se-tzen, sondern beugen, demüthigen, und zurvölligen Ueberlaßung in die Hände unsersallmächtigen, süßesten Heilandes andringen:denn das ist sein gnädiger Endzweck; nichtdaß er dich von sich stoßen will, sonderndaß ers dir recht bitter und müde mache indir selbst; damit, wann du dich nirgendmehr zu laßen weißt, du dich dann sonackend und elend, wie du bist, in seinenerbarmungsvollen Schooß müßest fallen la-ßen , der schon offen ist, dich einzunehmen.Aber, das wäre meinem armen Schwester-chen nicht höflich genug gehandelt; man solltelieber mit Petro Co mpli mente machen:Gehe von mir hinaus! ich bin ein sün-diger Mensch. Luc. s, 8. Sollte eine soverkehrte Kreatur, die nicht werth ist, daßsie der Erdboden trägt, an den Schooß ei-nes so heiligen GOttes denken dürfen, umsich da hinein fallen zu laßen! Ja! daran mußtdu gedenken, und nicht im Unglauben andeine Elenden: da hinein will dich die ewigeLiebe haben. Halte dich nicht auf mir Über-legungen , und deinen kothigen Rock zu be-sehen !

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