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Geistliche Briefe.
als wer recht streitet. Es ist so gar verkehrtgeurtheilet, wenn wir meynen, diejenige Tu-gend würden wir wohl nie erlangen, derengegenüberstehende Untugend uns etwa sonder-lich eigen ist, und uns viel Anfälle verursa-chet; daß wir vielmehr wohl selten eine Tu-gend wesentlich besitzen, deren gegenübersie-hende Untugend wir nicht empfunden undüberwunden haben. Ja, es ist ein schönesMittel, die wesentliche Demuth zu erlangen,wenn man die geheimen Kräfte der Eigen-liebe und des Hochmuths wacker fühlet, undleidender Weise träget; und so auch in ande-ren Stücken. Wollen wir dermaleins pran-gen im schönen Lilienkranz, so mäßenwir vom keuschen Rampfden Sieg behal-ten. Buch der Weish. 4, 2. Bekommenwir gleich hie und da eine Wunde, strauch-len auch einmal in der Hitze des Kampfs, sogeben wirs darum nicht verloren, sondernrufen getrost: Freue dick nicht meine Fein-dinn, daß ich darnieder liege, ich willwieder aufkommen. Mich. 7,8.
Währet der Kampf gleich lange, verza-ge nicht; der HErr ist mit uns, er weißschon die rechte Stunde der Erlösung, undhat hierin seine heilige Absichten, zu unsererSelbstvernichtigung, Läuterung und Besänf-tigung , damit wir ganz nackend in Ihn al-lein vertrauen. Zu solchem Ende bändigetGOtt bisweilen unsere Feinde, daß sie unsin Ruhe laßen, damit wir glauben, er fey
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