Druckschrift 
Bd. 1 = Th. 2 (1798)
Entstehung
Seite
141
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Ik. Thcik. 4 ?ster Brief. 141

dem HErrn kund zu thun. Laß deinen Grundstäts osten seyn gegen GOtt, daß nichts zu-rück behalten werde, sondern dein Alles ihmein ganzes Opfer seyn möge. Je wenigerman der Natur und den Sinnen gibt, destoleichter und gesegneter wird die Uebung desGebeths. Ein abgeschiedenes Herz vereinigtsich ohne Mühe mir GOtt, und kann dieverborgene Züge seiner Liebe merken, dieman sonst überhöret. Es gehet zwar nichtohne Beschwerlichkeit und Pein zu, wannein Kind von der Brust soll abgespehnetwerden; dennoch muß es seyn, besonderswann die Milch ungesund ist. Laß los dievergiftete Brust der Eitelkeit; fürchte die klei-ne Pein nicht. Habe nur deine Luft amHErrn, durch beständige herzliche Einkehrund Anklebung an ihn; Er wird dir end-lich geben, was dein H«rz wünschet.

Du sagest von deiner Vernunft, daß sieimmer sehen, fühlen und empfinden will. Eskommt mir eben vor, als wenn ein Blinder,um das Licht zu sehen, den Kopf bald hier,bald dorthin wendete. Ach armer Blindge-borner! halte deine Augen dem himmlischenArzt erst stille dar, daß er sie öffne, dannwirst du das Licht ganz natürlich sehen, undohne so viel hin - und Herwendens. Ja,lieber Bruder! kindlich und einfältig mäßenwir werden, in unserer inneren Uebung.