Geistliche Briefe
GOttes Gnade können und verstehen: wasaber geschehen ist, mäßen wir nicht zu viel,und immer wieder überlegen.
Uebrigens so laßet uns in diesen gefähr-lichen Tagen unserer selbst fleißig wahrnehmen,durch einen andächtigen, stillen Wandel vorder Gegenwart des HErrn unsers GOttes.In dem Licht seines Angesichts lernen wir ambeßten erkennen die verborgene Flecken unserergroben und subtilen Eigenheiten, welche aucheben dieses Licht, wie die Sonne den Nebel,verschwinden macht, daß es Helle und still wirdin unserer inneren Welt; da wir sonst außerdiesem Licht-, uns selbst nimmer gründlicherkennen, vielweniger von uns selbst erlösetwerden können, sondern in der jämmerlichstenDunkelheit, wie in einem finsteren Kerker, mitvielen Banden beschweret, unsere Zeit zubrin-gen müßen, ohne daß wirs oft selber wissen,weil wir nicht genug zu uns selber kommen.Hat denn nun nicht unser treuer Heiland dasGefängniß gefangen geführet, und eine ewigeErlösung erfunden? Ist er nicht gekommen,zu predigen den Gefangenen, daß sie los seynsollen? Und warum sollten wir denn die Skla-verei mehr M die Freiheit, und die ängstlicheFinsierniß mehr denn das wonnereiche Lichtdes Lebens lieb haben? Dennoch machen wirsso, wenn wir uns auf die ein - oder andereWeise, wie scheinbar es auch seyn möchte, inder Zerstreuung halten laßen, und uns nichtmit völligen willen abwenden von allem,
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