Z24 Geistliche Briefe.
So viel ich aus letztmaliger Unterredung 6«mit gemcldtem Freund, und jetzt aus deinem ^Briefe schließen kann, so ist die Ursache seinerschweren Anfechtung diese einige: daß er ,ohne sein wissen außer JEfu hat heiligund selig werden wollen. Er hat, wie ich ^vermuthe, einige besondere Sünden auf sei-nem Gewissen, die ihn nun und dann sehr ''' ,gedrückt und verwirrerhaben, weil er damitin sich selbst ist stehen geblieben, und sich nicht ^in demürhigem Vertrauen in das theure vSöhnblut JEsu, als der geöffneren Ouel- ^ ,le der unendlichen Erbarmung GOttes, er- ^senket hat. Da ihm auch GOttes Gnadeeinen ziemlichen Ernst gegeben, um zu einemabgeschiedenen und innigen Wandel zu gelan-gen, und ihm dabei einige Gnade zur Samm- Elung geschenket hat; so hat er verborgentlich(wie wirs alle so leicht thun) den Grund sei- Encs Christenthums in seine gute Uebungenund Ernst gesiellet. Da nun GOttes Güteihm diese Stützen , hat nehmen müßen undwollen, so hat er sich in der demüthigen Er- EAkenntniß seiner Nichtigkeit nicht zufrieden, -VEnoch GOtt die Ehre geben können, sondernhat in gutmeynendem Ernst sich selber wie- Wder in die rechte Form setzen wollen; wobei mder Versucher zu eigenen Anstrengungen, und A ktausend Überlegungen viel mit geholfen hat; Meund wie es dadurch nicht besser, sondernschlimmer wurde, da ist er vollends in Ver-Wirrung, Furcht, Angst und Verzweiflungs-
gedan-