Druckschrift 
Bd. 1 = Th. 1 (1798)
Entstehung
Seite
272
Einzelbild herunterladen
 

27 »

Geistliche Briefe.

sonderlich glaube ich, daß diese letztere UebungEuch weil nützlicher und förderlicher sepnwird,wie schon mehrmalen erinnert habe.

Sollte es GOrr mißfallen können, wannIhr, um an ihn zu gedenken, und bei ihm zubleiben, euch selbst, samt allen euren Elenden,zu vergessen suchtet? da ihr doch wisset, daßihr euch in keinem helfen könnt, und er alleinerlösen muß. Es hat dabei doch keine Ge»fahr, daß ihr alsdann euch selbst, und eureVerderbnisse weniger erkennen werdet, alswenn ihr euch mit Vorbedacht selbst erforschet,und auf eure Sünden starret: vielmehr wer-det ihr eure Elenden und Eigenheiten auf eineweit fruchtbarere Weise, und viel genauer er-kennen , ohne daß ihr euch expresse darauf le-ger, nämlich in dem unbetrüglichen LichteGÖrres, und seiner Gegenwart. Da demü-thigen die Sünden, abersie beunruhigen nicht»sie machen nicht kleinmüthig; man hält sichnicht dabei auf, sondern ersenker sich so vielinniger in die süße Liebe JEsu. GOtt will esso haben, daß wir ihm trauen sollen, und alsKinder mit ihm umgehen, wie jämmerlich wirauch sind. Also ist es sein gnädiges Wohlge-fallen, in uns zu wohnen und zu wandlen,und uns recht familiär zu werden; und sollteauch alle Vernunft sich dran stoßen, und zumNarren werden über dieser Leutseligkeit undHerunterlaßung GOttes. Laßet uns durcheine Scheindemuth GOttes Ehre und unsermWohlsepn nicht hinderlich seyn!

Schließ-

»Eil

öl