i8r Geistliche Briefe.
das Gemüth wollte gern dieses oder jenes,möchte gern so, oder anders vor GOtt sichfinden; man will es aber mit eigener Heftig-keit; und da wird die Seele das, was ftbegebret, nicht eher erreichen, sie habe dennzuvor ihr eigenes Wollen und Suchen in denTod und in die Gelaßenheit einsinken laßen.Oft denken wir, etwas sey ferne, und wirmachens uns nur ferne durch unser grobesund eigenes Theil; drum sag ich bisweilen:man muß GOtt nicht suchen, sondern nurfinden. Acht wären wir kindlich genug!Die Seele sehnet sich oft innigst nach derVernichtigung und Vollendung in GOtt,wie wir beiderseits auch thun: aber die Weis-heit gehet zu solchem Zweck bisweilen solchewidersinnige Wege ein mit der Seele, daßsie sich gar nicht dareig finden kann; nur,damit das eigene Wollen und Laufen nichtserjage, GOttes freies Erbarmen aber alleinden Platz behalte. Darum ist nichts Bessers,als nur bilderlos, und willenlos in denSchooß der Liebe eingesunken bleiben, wiedie Kindlein, die dem Wink des Vatersgelaßen stehen, und es seiner Güte alleszutrauen. Es ist nicht unser, sondern desHErrn Werk. JEsus hat diese Pforte füruns eröffnet in seinem Blut; Er wird seinVolk selig machen von ihren Sünden; ftsollens nicht selbst thun. Darum ist esbillig, daß wir Sünde, Elend, Schwach-heit rc. nicht viel ansehen, sondern uns IEft
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