Druckschrift 
Bd. 1 = Th. 1 (1798)
Entstehung
Seite
138
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Geistliche Briefe.

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meist daher, weil wir dem lieben GOtt zufremd, und der Natur zu nahe bleiben; deß-wegen haben die Züge und Eindrücke GOtteskaum ihre halbe Kraft aufunser Gcmüth; dasfalsche Mitleiden hingegen mit der verderbtenNatur, macht, daß wir ihre Federungen alsnicht abschlagen können. Nun lockt uns unsergütige Heiland mit der größten Langmuth undFreundlichkeit immer zu sich hinein, und will,daß wirs umkehren sollen; Ihm sollen wir innig-nahe, der Natur aber fremde werden. Wasgehet uns diese Boshaftige an! Sollten wirunserm Feinde zu Gefallen seyn, und unfernHerzensfreund betrüben? Das sey ferne! Mitunserm Freunde hoffen wir, ewig wohl zuleben; das Schreien aber der Natur werdenwir nicht lange mehr hören. So sollen undwollen wir dann hinfür nicht mehr lebennach eigenem Urtheil und Gutdünken, sondernnachdem Wink unsers lieben Freundes.

Innerlich muß der allerdunkelste, schwäch-ste, verborgenste Zug, Ahndung, oder Ein-druck von GOttes Wohlgefallen an dir,unendlich mehr auf dein Gemürh vermögen,als die allerscheinbarste, kräftigste Gründe undEinwendungen der Vernunft und Sinnen.Einem gutartigen Kinde ist der mindeste Winkdes Vaters ein kräftiger Befehl, den es nichtkann, noch will übertreten. Hier muß derinnere Wille nicht lang in der Ballanz stehen,sondern völlig nach der Seite GOttes über-schlagen, so gibt ihm GOtt eine unüberwind-liche

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