l. Lheil. i6ter Brief. 45
eben Mit den schönen Mayblümlein denHunger nicht stillen; obwohl die Blumenden Sinnen anmuthig und den Kranken bis-^ weilen zur Arzney seyn mögen.
Wenn wir uns unsere innere Dürre,Dunkelheit und Leiden durch vorsetzliche, oderklar bewußte Untreu oder Sünden, nichtselbst verursachet haben; so dienen solche> uns unangenehme Zustände mehr zu unserer, Heiligung, als die allervergnügteste Gnaden-M gaben und Freudigkeiten, womit wir möch->/ Ä ten überschüttet werden. Ja, wenn wir unsUsi« gleich selber, vorbesagter maßen, innere Leidene s«> zuwege gebracht hatten, so kann es uns nichtsdesto weniger zu eben solchem heilsamen ZweckHU gar dienlich seyn; wenn wir nur gründlichund ruhig wiederkehren, und uns so vielmehr vor GOtt vernichkigen und verwerfen,-lch Die wahre Demuth ist der kurze Weg zurHeiligkeit. Ich sage die wahre Demuth,welche innig, unverstellt, ruhig, sanft undheiter ist, und bringt endlich GOtt und sei-nen Frieden ins Herz.
Haben wir dann, lieber Bruder! keinegroße Tugenden, Gnadengaben, Glaubens-kraft und dergleichen, wie andere; so wollen§ wir durch GOttes Beistand die Noch zue. M Tugend machen, und eben unsere Elenden,U Armuth und Gebrechen uns ein Mittel seynÜ O lassen, heilig zu werden durch solche Demü-^ rhigung unserer selbst.
Ich