2 Z2
28.
Alle Freude des Dichters, ei» gutes Gedickt zu erschaffen,Fühle das liebliche Kind, das ihn begeisterte, mit.
2Y.
Ein Epigramm sey zu kurz, mir etwas Herzlichs zu sagen?Wie, mein Geliebter, ist nicht lürzer der herzliche Kuß?
3°.
Kennst du das herrliche Gift der unbefriedigten Liebe?
Es versenkt und erquickt, zehret am Mark und crneut's.
31.
Kennst du die herrliche Wirkung der endlich befriedigten
Liebe?
Körper verbindet sie schön, wenn sie die Geister befrept.
32.
Das ist die wahre Liebe, die immer und immer sich gleich bleibt.Wenn man ihr Alles gewährt, wenn man ihr Alles versagt.
33.
Alles wünscht' ich zu haben, um mit ihr Alles zu theilen;
Alles gab' ich dahin, war' sie, die Einzige, mein.
34-
Kränken ein liebendes Herz, und schweigen müssen; geschärfterKönnen die Qualen nicht seyn, die Nhadamant sich ersinnt.
35.
Warum bin ich vergänglich, o Aevs? so fragte die Schönheit.Macht' ich doch, sagte der Gott, nur das Vergängliche schön.
36.
Und die Liebe, die Blumen, der Thau und die Jugend ver-nahme'ns;
Alle gingen sie weg, weinend, von Jupiters Thron.
37-
Leben muß man und lieben; es endet Leben und Liebe.Schnittest du, Parze, doch nur beiden die Fäden zugleich!