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IX.
Die Liebende abermals.
Warum ich wieder zum Papier mich wende?
Das mußt du, Liebster, so bestimmt nicht fragen:Denn eigentlich Hab' ich dir nichts zu sagen;
Doch komml's zuletzt in deine lieben Hände.
Weil ich nicht kommen kann, soll was ich sendeMein ungetheiltes Herz hinüber tragenMit Wonnen, Hoffnungen, Entzücken, Plagen:Das alles hat nicht Anfang, hat nicht Ende.
Ich mag vom heuk'gen Tag dir nichts vertrauen.Wie sich im Sinnen, Wünschen, Wähnen, WollestMein treues Herz zu dir hinüber wendet.
So stand ich einst vor dir, dich anzuschauenUnd sagte nichts. Was hält' ich sagen sollen?Mein ganzes Wesen war in sich vollendet.
X.
Sie kann nicht enden.
Wenn ich nun gleich das weiße Blatt dir schickte.
Anstatt daß ich'S mit Lettern erst beschreibe.
Ansfülltest du's vielleicht zum ZeitvertreibeUnd sendetest's an mich, die Hochbeglückte.
Wenn ich den blauen Umschlag dann erblickte;
Neugierig schnell, wie es geziemt dem Weibe,
Riß' ich ihn auf, daß nichts verborgen bleibe;
Da las' ich was mich mündlich sonst entzückte.LiebKind! Mein artigHerz! Mein einzigWesen!Wie du so freundlich meine Sehnsucht stilltestMir süßem Wort und mich so ganz verwohntest.
Sogar dein Lispeln glaubt' ich auch zu lesen,
Womit du liebend meine Seele fülltestUnd mich auf ewig vor mir selbst verschöntest.