Druckschrift 
1 (1750)
Entstehung
Seite
576
Einzelbild herunterladen
 

576 .l. B. zz. §. Von der Kirchenzucht

Alles Tantzen ist bey ihnen überhaupt verboten, und werwider dis Gebot gehandelt, kan ohne öffentliche Kirchenbusse oderdoch wenigstens ohne Bezeugung ernstlicher Busse vor dem Kir-chenrath nicht davon kommen. Jedoch nicht nur die Tantzer selbst,sondern auch sogar diejenigen, so nur blosse Zuschauer bey einempapistisihen Tantze abgeben, werden mit dieser Strafe beleget,und kan ich nicht umhin, ein sehr merckwürdiges Exempel davonbey dieser Gelegenheit allzuführen. Es wurde einsmals dieFraueines vornemen und noch lebenden Geistlichen von einer ihrer An-verwandten aus dem Dauphins, wider ihren Vorsatz und gantzunvermuthet mitgenommen, das Pflantzen der Mayen oder Bü-cken auf dem Platz von Lucerne mit anzusehen: weil nun dabeygetantzt worden, und diese Frau solches von ohngefehr, und zwarnur von ferne gesehen, kam es dahin, daß ihr eigener Mann einenandern Geistlichen berussen muste, der in seinem Kirchenrach denersten Platz, so er sonst bekleidete, einnehmen, und feine Frau mitder gewöhnlichen Kirchenbusse belegen muste. Das Manns-Volck hingegen übet sich im Werffen nach der Scheibe, im Wett-lauffen, Barlschlagen, Steinschleudern, und andern dergleichenUebungen, mit welchen die Bewegung des Leibes verbunden ist,besonders aber im Büchsenschüssen: und damit sonderlich imSchiessen es einer dem andern desto begieriger zuvor zu thun sichbefleißen möge, so tragen insgemein die besten Schützen gewisseGewinste davon, oder es wird der, so den besten Sejms gethan,als König rrach Hause geführet, und ihm von den andern vieleEhre erzeiget. ,

Aus diesen wenigen Proben kan der Leser nun schon leichteurtheilen und abnehmet!, was es in den übrigen Stücken init ih-rer Zucht für eine Beschaffenheit nicht nur vor Alters müsse ge-habt haben, sondern auch wircklich heute zu Tage noch habe.

Der Güte meines GOttes kan ich es warlich nicht genug

verdancken, und darf doch dabey den Inwohnern meines geneb-

tm Vaterlandes keineswegs schmeicheln, sondern mich M'tz I>-