560 I.B.Z2.C. Von den alten Lehrern und Predigern
eigentlich bedeutet: der wisse, daß solches vor diesem eine ehrwür-dige Benennung gewesen, und nur solchen Leuten beigeleget wor-den, die vor andern im besondern Ansehn gestanden. Diesem-nach hat das Wort Bart, eben so viel als Onc/e, oderVetter, sagen wollen. Und so ist es nicht nur vor vielen hun-dert Jahren gewesen, sondern auch noch heut zu Tage üblich, daßman die besonders ehrwürdigen und ansehnlichen Personen in denPiemontesischen und allen benachbarten Thalern so zu nennenpflegt: nur mit dem Unterschiede, daß man sich in den Thalernso unter Franckreich gehören des Wortes 0w/e, Vetter, be-dienet, als Ow/e Jean, Pierre, u. s. w. und damit ohneAbsicht auf einige Verwandschaft, blos die Hochachtung und Ehr-erbietung, so man für dergleichen ehrwürdige Leute heget, zu er-kennen gibt; in dem Piemontesischen hingegen noch bis auf dieseStunde Giovani, öa^Pietro, Bart Johannes,Bart Petrus, u. s. w. zu sprechen die Gewohnheit beibehaltenhat. Ich weis mich selber noch gar wohl zu erinnern, daß die-ses bis gegen das Jahr i6zo. noch die algemeine Benennung undder Amtsname derer Geistlichen gewesen. Aber freilich sind dieTitel nach und nach gestiegen, wie man ja weis, daß ein Pre-sident zu Paris, so ehedessen nur Jean, oder MiürsPierxe hies, muste nachgehends schon lVlonlieur heißen, ausdem lVlonlieur muste gar ein 8eiZneur werden, und dieser ölon-üeur und 8eiAlieur haben zuletzt gar die Lxceilence ausgeheckt.
Im Jahr l6zo. wütete die Pest in den Thalern so gewal-tig, daß auch von allen Geistlichen nicht mehr als die zwey ehr-würdigen alte Herren Gilles und Gros übrig und am Lebenblieben. Man sahe sich also genöthiget, in andern Landern wie-der andere Geistliche zu suchen, und wandte sich deswegen nachFrankreich, vornemlich aber nach Geneve. Hatte man bisdaher keinen Lehrer anders als in Italiänischer Sprache predigenhören: so war man ietzund froh und danckte GOtt, wenn man
sein seligmachendes Wort auch nur in frantzösischer Sprache vor-tragen