Druckschrift 
1 (1750)
Entstehung
Seite
520
Einzelbild herunterladen
 

52O l-B.zo.E. Von der Lebens-Art und Sitten der Wald.

les zu ihrem Beharren bey so löblicher Einrichtung beytragen kan,so leben sie überhaupt von grossen Städten abgesondert, und ha-ben wenig und selten Gelegenheit mit Fremden umzugehen; su- >ehe,, auch ihr gröstes und fast eintziges Vergnügen darinnen, daßsie der Lebensart der Ertzväter nachahmen, das Feld fleißig an-bauen, und ihrer Heerden sorgfältig warten können. Wobey >denn gar wohl zu bemerkten, daß diejenigen Oerter so ja in ei- ^nem oder dem andern von dieser unschuldigen und tugendsamenLebensart abzuweichen angefangen, entweder naher bey Turingelegen, oder unter den Catholicken vermengt gewesen, oder daß >die grosse Landstrasse von Franckreich nach Italien bey ihnendurchgegangen, und sie also mehr als andere Gelegenheit gehabt,theils von den neuen Canamtern unter denen sie gewöhnet,theils von den Fremden so bey ihnen geherberget, angesteckt zuwerden. !

Inzwischen bleibt es doch ein für allemal eine ausgemachte iSache, daß nichts in der Welt fähig gewesen, diese guten Leutevon so langen Zeiten her in den Schrancken der allerschönsten Ord-nung zu erhalten, als die gantz ausnehmende und vortreflicheZucht, über welcher sie immerdar auf das sorgfältigste gehaltenhaben. Diese ungemeine Zucht hat so zu jagen die Beine abge-geben so ihren Körper bis daher getragen, und die Nerven so ihnin Bewegung gesetzt und geschäftig gemacht. Würden dieseBeine gebrochen; so würde der Körper auch gar bald zu Bodenfallen müssen, oder würden die Nerven verletzt, so wäre nichtsgewissers, als die allerschlimsten Zufälle, und zuletzt die gänßkicheLähmung zu gewarten. Es wird also wohl der Mühe werth seyn,diese unvergleichliche Zucht und Ordnung, vermöge welcher sie sowohl vor Zeiten, als auch noch ietzo gegenwärtig sich so aufrechtund standhaft erhalten, etwas näher kennen zu lernen. Und die-ses soll unsere Bemühung in dem folgenden Capitel seyn.

Das