und Sitten der Maldenser. 495
„(spricht er) den Protagoras nicht unter sich gelitten, sondern„ihn darum aus dem Lande gejaget, wer! er nicht sowol als ein„Gottesverachter, als vielmehr als ein Welttveiser von der Gott-„heit geredet, auch alle seine Schriften eben darum öffentlich ver-„brant, sollen denn wir eine so schändliche und verzweifelte Rotte„inner uns dulden, und sich unbestraft an unsern Göttern vergreif-„fen lassen? oder sehen wir denn nicht, wie selbige den groben„und unwissenden Pöbel an sich zu ziehen, und zu chrem schändli-„chen Dienst so künstlich abzurichten weis? Von ihren heimlichen„Zujammenverschwörungen will ich nicht erst reden: Ich geden-„cke nur an ihre gottlose und verfluchte nächtliche Zusammenkünf-te, und an ihre feierliche Fasten. Sie fliehen vor unsern Tem-„peln als vor offenen Gräbern, verachten unsere Götter, treiben„mit unsern Heiligthümern ihr Gespötte, machen sich aus den„Würden- und Ehrenämtern unserer Geistlichen gar nichts, ob„diese schon beinahe nicht mehr wissen, womit sie ihre Blösse be-decken sollen. Sie sind so gar närrisch und verwegen, daß sie„alle Quaal und Marter verachten, wenn sie solche auch gleich„albereits vor ihren Augen sehen, und gehen mit Freuden irr den„Tod, um nur nach dem Tode nicht mehr zu sterben. Und den-„noch vermehret sich diese verdamte Seele von einem Tage zum„andern, folglich erfordett es die äusserste Noth, diese verfluchte„Gesellschaft, weil es noch Zeit ist auszurotten. Unmäßigkeit ist„ein Stücke ihres Glaubens: sie nennen sich darum Bruder und„Schwestern unter einander, damitsie vermöge dieser geheiligten„Benennung, an statt einer gemeinen Hurerey die greulichste Blut-schande begehen mögen: so sehr verlieben sich diese unselige Crea-„turen in die allerabscheulichsten Laster? So gar will man sagen,„daß sie in ihren Versamlungen einen Estlskopf anbeten, und die„Schaamglieder ihrer Geistlichen verehren, und dadurch die Na-„tur ihrer Vorfahren zu vergöttern suchen. Wenn sie einen Lehr-ling in ihre Gemeinschaft aufnehmen, und solchem ihr Geheim-„nis anvertrauen wollen, nehmen sie ein Kind, überkleistern es
„mit