42 Dorbericht
Es hielten einige gelehrte und ansehnliche Männer, denen esauch um die Ehre GOttes zu thun war, bey Einholung ihresRathes dafür, ich solte den Anfang dieser Historie mit deinJahr 1655 machen, und mich alsobald zur Beschreibung der indiesem Jahr sohauffig geflossenen Ströme Blutes dieser redli-chen Bekenner der Warheit Wendern Die grausamen Verfol-gungen, so unsere arme Waldenser in besagtem Jahre ausgestan-den, hatten durch ganz Europa Aufsehen und Mitleiden verur-sacht, waren aber auch von einigen parteischen Verfassern ganzanders beschrieben: es würde also ein Buch welches die Sachenach ihrer warhaften Beschaffenheit vorgetragen, seine Leserund Liebhaber gefunden, und viele es nur der darinnen enthal-tenen Historien wegen gekauft haben. Mir aber that dis allesnoch kein Genüge; und nur blos aus Neubegierde von vieler;gelesen zu werden, war die Absicht meiner Arbeit am allerwe-nigsten. Ich hielt es daher vor nützlicher, das Werk, davonhier die Rede ist, in seiner natürlichen Ordnung anzufangen,und durch eine gründliche Beschreibung der darinnen vorkom-mender; Sachen, alles folgende bald vor; Anfange in ein völli-geres Licht zu setzen. Mein Abseher^ging ein vor allemal dahin,vor; dem eigentlichen Ursprung und herkommen derwalden-ser oder Thalleute, (denn so pflegte man vor diesem die Ge-genden zu nennen, darinnen diese Leute wohneten, wofürman heut zu Tage durch waldenser Leute verstehet, dieder Römischen Kirche zuwider sind) recht gründlich zu handeln.Solte ich diesen Zweck erreichen, so muste ich vor allen Dingenrecht unumstößlich zeigen, so wol was diese unter dem Namen derwaldenser uns nunmehr bekäme Leute von Alters her ge-lehrt, und auch was sie noch heut zu Tage glauben, ehe ich vonden Verfolgungen reden können, so sie um dieser ihrer Lehre undihres Glaubens willen haben leiden müssen. Und dieses thue ichnun dergestalt, daß ich anfänglich sie selbst reden und Rechen-schaft von ihrem Glauben in ihren eigenen Schriften, geben las-