Druckschrift 
1 (1790) Ueber den menschlichen Verstand
Entstehung
Seite
670
Einzelbild herunterladen
 

<J7° Krififclie Verfuche.

verfchiedenem Objekte enthalten, oder mit den rea-len Merkmalen defielben identifch gedacht wird.Wenn wir fagen, wir haben gewiffe Erkenntniffevon dem Körper, dem Menfchen, der Seele, derGottheit u. f. w., fo wollen wir nichts anders fagen,als wir ftellen uns gewiffe Merkmale vor, die mitgewiffen realen Merkmalen in den Gegenftänden ei-nerlei find. Diefe Objekte mögen min feibft wie-derum Vorftellungen feyn oder nicht, fo find\fiedoch von denen Vorftellungen, wodurch fie vorge-ftellt werden, verfchieden, und eine Erkenntnifsmufs alfo, wenn fie möglich feyn foll, jederzeit einObjekt haben. Bisher haben wir die Erkenntniffeblos als Handlungen des Gemüths erwogen, und ha-ben gefehen, dafs vermöge der Natur des Erkennt-nifsvermögens ein] gewiffes Mannigfaltiges und eineEinheit dazu erfodert wird, um Erkenntnifs mög-lich zu machen. Allein beides ift nichts als eineallgemeine Foderung, die aus der Natur des Vor-ftellungsvermögens fliefst; foll nun eine konkreteErkenntnifs zu Stande kommen, fo mufs diefesMannigfaltige und diefe Einheit in der Vorftellungdurch das Objekt beftimmt, und durch die Einwir-kung des Objekts auf das Erkenntnifsvermögen einewirkliche Erkenntnifs erzeugt werden. Denn inaller Erkenntnifs muffen die Vorftellungen von ih-ren Objekten beftimmt feyn, letztere mögen übri-gens ihren Grund haben, wo man will. Nun kannman zwar im Allgemeinen einige Prädikate, diezur Möglichkeit der Vorftellung der Ob-jekte