520 Ueber die m en fchlich© Natur.
olinerachtet mein natürlicher Hang und der Laufmeiner Lebensgeifter und Leidenfchaften mich zudiefein indolenten Glauben an die gemeinen Grund«fa'tze der Welt zwingt, fo fühl ich doch noch fol«che Ueberbleibfel von meinem erften Zuftande, dafsich bereit bin, alle meine Bücher und Papiere insFeuer zu werfen, und entfchloffen, nie wiederum der Sache der Vernunft und der Philofophiewillen den Vergnügen des Lebens zu entfagen.Denn fo denke ich in diefer hypochondrifchen Lau-ne , die mich gegemvärtig regiert. Ich will, jaich mufs dem Laufe der Natur gehorchen und mei-nen Verband den Sinnen unterwerfen; und in die*ler blinden Unterthänigkeit zeige ich gerade meineNeigung zum Zweifeln und meine, fkeptifclienGrundfätze am allervollkommenften. Aber folgtdaraus, dafs ich gegen den Lauf der Natur ftrebenfüll, der mich zur Indolenz und zuin Vergnügenführt; dafs ich mich gewiffermafsen von dem Um-gänge und der Gefellfchaft der Menfchen, die foangenehm ift, abfcheiden; und dafs ich mein Ge-hirn mit Subtilitäten und Sophiftereien marternfoll, da ich mich doch von der Vernunftmafsigkeiteiner folchen mühevollen Arbeit fchlechterdingsnicht überzeugen kann, und nicht die entferntlteAusficht habe, dadurch zuletzt zur Wahrheit undGewilsheit zu gelangen? Was verbindet mich, dieZeit fo zu mifsbrauchen? Und zu welchem Zweckekann es nützen, was für Vorth eile entfpringen da-durch